Stadt der Feinde - Woher rhrt die Rivalitt zwischen 11FREUNDE

Publish date: 2024-10-21

Es gab mal ein Derby in Glasgow, bei dem selbst berit­tene Polizei das Spiel­feld nicht von prü­gelnden Men­schen räumen konnte. Aus dem Rasen hatten ent­hemmte Fans in ihrer Wut große Klumpen her­aus­ge­rissen, und beide Tore waren nur noch Klein­holz.

Die Tri­bünen brannten, aber als die Feu­er­wehr kam, um zu helfen, wurde sie mit Faust­hieben und Fuß­tritten emp­fangen. Am Ende des Tages lagen mehr als hun­dert Ver­letzte in den Kran­ken­häu­sern der Stadt. Das war am 17.April 1909 – als die Riva­lität zwi­schen Celtic und Ran­gers noch harmlos war.

Es gab mal ein Derby in Glasgow, bei dem ein Fan dem Schieds­richter eine Münze an den Kopf warf, ein zweiter es bis aufs Spiel­feld schaffte, um den Referee anzu­greifen, und ein dritter sich so auf­regte, dass er den Halt verlor und vom oberen Rang der Tri­büne stürzte. In diesem Spiel dau­erte es 22 Sekunden bis zum ersten Foul, keine sechzig bis zum zweiten, und schließ­lich wurden drei Spieler des Feldes ver­wiesen. Das war neun Jahr­zehnte später, am 2.Mai 1999.

Da war zwar die Riva­lität der beiden Klubs längst legendär, doch auf dem Rasen standen ins­ge­samt 19 Nicht-Schotten, dar­unter Stefan Klos aus West­falen und Jörg Albertz vom Nie­der­rhein. Keiner dieser Fremden würde je ver­stehen, wie tief die Feind­schaft zwi­schen Ran­gers und Celtic ging, denn dazu musste man auf den Straßen der Stadt groß geworden sein.

Der Unter­gang des Fuß­balls

Trotzdem schlugen sich diese Profis aus aller Herren Länder wie die Kes­sel­fli­cker und ver­tei­digten jeden Gras­halm, als hinge das Leben ihrer eigenen Kinder davon ab. Die Zei­tung ​„Daily Record“ sprach am nächsten Tag von ​„Wahn­sinn“, bezeich­nete zumin­dest einen Spieler, den Fran­zosen Sté­phane Mahé, als ​„besessen“ und pro­phe­zeite den Unter­gang des Fuß­balls.

Will­kommen in der wahn­wit­zigen Par­al­lel­welt der ​„Old Firm“. Einer Welt, die ganz sicher schon lange von der Zeit über­holt worden ist, ohne es zu merken. Eine Welt, in der das irr­sin­nigste Derby des Uni­ver­sums zum Alltag gehört. Denn das ist – oder war – das Duell zwi­schen Celtic und Ran­gers zwei­fellos.

Bei man­chen Riva­li­täten macht ja nur die räum­liche Nähe oder eine sport­liche Kon­kur­renz­si­tua­tion die Bri­sanz aus, manchmal geht es um soziale Unter­schiede, manchmal auch um poli­ti­sche oder kul­tu­relle, in sel­tenen Fällen sogar um reli­giöse. Aber nur in Glasgow geht es um alles. Und um noch viel mehr.

Geld, zum Bei­spiel. Einige Zyniker sagen sogar, es wäre immer in erster Linie darum gegangen. Schon der Aus­druck ​„Old Firm“ drückt das aus. Was auch immer deutsch­spra­chige Inter­net­quellen behaupten mögen, er bezeichnet weder das Derby selbst noch die Riva­lität der beiden Klubs. Und ​„Firm“ ist auch nicht vor­rangig im Sinne von ​„fest, beständig“ zu ver­stehen, son­dern steht in der Tat für eine Firma.

„Das beste Syn­onym ist wohl ›Das Monopol‹“

„Das beste Syn­onym ist wohl ›Das Monopol‹“, sagt der Glas­gower Alex Anderson, der ein Buch über die Ran­gers geschrieben hat. ​„Der Aus­druck wurde schon 1904 geprägt, um deut­lich zu machen, dass die beiden Ver­eine den Markt unter­ein­ander auf­ge­teilt hatten.“

Doch für den Anhang der zwei Ver­eine war Profit natür­lich nie das beherr­schende Thema. Im Gegen­teil, viele von ihnen ver­ab­scheuen den Begriff ​„Old Firm“, weil sie auf gar keinen Fall mit einem Klub in einen Topf geworfen werden wollen, der doch so völlig anders ist. Um zu erfahren, warum und inwie­fern er anders ist, muss man einen Blick in die Geschichte nicht nur des Fuß­balls werfen, denn um den geht es der ​„Old Firm“ nur am Rande.

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